Azubis in Bayern kämpfen mit hohen Wohn- und Lebenshaltungskosten

08. April 2026

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Der DGB-Kreisvorstand Dingolfing-Landau fordert den Erhalt des 8-Stunden-Arbeitstages als Grundlage: (v.li.) Nicole Schneider (IG BCE), Ralf Thannemann (ver.di), DGB-Kreisvorsitzender Cengiz Kahya (IG Metall), Eduard Schander (DGB-Jugend), Kathrin Kirchner (ver.di), Klaus Albrecht (NGG), Maria Holaka (GEW) und Bernd Vilsmeier (IG BCE).

DGB-Kreisverband Dingolfing-Landau fordert Erhalt des 8-Stunden-Tages

Dingolfing-Landau.
„Der Acht-Stunden-Tag steht für Schutz, Verlässlichkeit und Würde in der Arbeit. Wer heute längere Arbeitstage fordert, blendet aus, wie sehr viele Beschäftigte bereits heute gefordert sind. Die Realität in den Betrieben zeigt: Die Belastungsgrenzen sind vielerorts längst erreicht“, erklärte DGB-Kreisvorsitzender Cengiz Kahya zu Beginn der Sitzung des DGB-Kreisvorstandes Dingolfing-Landau am gestrigen Dienstag im Gasthof Räucherhansl in Oberteisbach. Zur Sitzung konnte er neben den Vertretern der DGB-Gewerkschaften auch die DGB-Sekretärin Anja Wessely aus Landshut begrüßen.

Arbeitszeiten bestimmen, wie gut sich Arbeit und Leben miteinander vereinbaren lassen, so Kahya weiter. Wenn Arbeitszeiten entgrenzt werden, zahlen am Ende die Beschäftigten die Zeche – mit ihrer Gesundheit und mit weniger Zeit für Familie, Pflege und Erholung. Das ist nicht akzeptabel, stellte Kahya fest. Tarifverträge und Mitbestimmung zeigen seit Jahren, dass flexible Arbeitszeitmodelle möglich sind, ohne Schutzstandards aufzugeben. Voraussetzung dafür sind eine starke Tarifbindung, funktionierende betriebliche Mitbestimmung und eine gut ausgebaute soziale Infrastruktur, die Beschäftigte entlastet und eine faire Verteilung von Sorgearbeit ermöglicht, so Kahya weiter.

Der Vertreter der DGB-Jugend im DGB-Kreisvorstand, Eduard Schander, stellte die Ergebnisse der Befragung von mehr als 800 jungen Menschen in Bayern im Rahmen der Kampagne „Wie wir wohnen wollen“ vor. Die Ergebnisse machen deutlich: Hohe Mieten, niedrige Ausbildungsvergütungen und steigende Lebenshaltungs-kosten bringen viele Azubis an ihre Grenzen. Im Durchschnitt zahlen die Befragten rund 550 Euro Miete und 105 Euro für Mobilität – bei einem durchschnittlichen Einkommen von 975 Euro im Monat. Damit bleiben oft nur wenige Euro pro Tag für Essen, Freizeit oder Gesundheit. Besonders betroffen sind Auszubildende in der Gastronomie und Hotellerie, wo niedrige Löhne überwiegen. Viele müssen zusätzlich arbeiten, um über die Runden zu kommen, so Schander. Die Befragten äußern zudem Frustration über mangelnde Aufstiegs-chancen und die fehlende Möglichkeit, Wohneigentum zu erwerben – ein Szenario, das für frühere Genera-tionen noch selbstverständlich war.

Fast 70 Prozent der Befragten wohnen noch bei ihren Eltern – ein Indiz dafür, dass eigenständiges Wohnen für viele Jugendliche schlicht nicht leistbar ist. Der Wunsch nach einer eigenen Wohnung wächst mit steigendem Alter – zugleich sinkt die Zufriedenheit mit der aktuellen Wohnsituation. Junge Menschen mit geringerem Einkommen wohnen häufiger noch im Elternhaus. Besonders groß ist der Bedarf an bezahl-barem Wohnraum, je weiter der Ausbildungsort vom Elternhaus entfernt liegt, so Schander weiter.

Etwa 43 Prozent der Befragten können sich vorstellen, in einem „Azubiwerk“ zu wohnen, weitere 26 Prozent unter bestimmten Bedingungen – vor allem, wenn die Wohnungen bezahlbar sind und die Ausstattung den Alltag erleichtert. Besonders wichtig sind den Befragten ein eigenes Bad, eine Waschmaschine, ein stabiler Internetanschluss, Privatsphäre, ein Parkplatz sowie flexible Auszugsmöglichkeiten nach Ende der Ausbildung.

Fast 45 Prozent der Befragten legen mehr als 16 Kilometer zwischen Wohnort und Ausbildungsstätte zurück. Rund 40 Prozent nutzen dabei das eigene Auto, 32 Prozent den öffentlichen Nahverkehr. Die hohen Mobilitätskosten verschärfen den finanziellen Druck zusätzlich, entsprechend groß ist der Wunsch nach einem kostenlosen ÖPNV, so Schander weiter.

Die DGB-Jugend Bayern appelliert an die Politik, junge Menschen in Ausbildung endlich zu entlasten: Durch Schaffung von mehr bezahlbarem Wohnraum und dem Ausbau von Azubiwerken, Erhöhung der Ausbildungsvergütungen, stärkere finanzielle Unterstützung und Entlastung bei Mobilitätskosten und gezieltere Inanspruchnahme des Sonderprogramms „Junges Wohnen“ der Bundesregierung für den Bau weiterer Azubiwerke, so Schander abschließend.

Zum Schluss wies DGB-Kreisvorsitzender Cengiz Kahya noch auf die diesjährige DGB-Maifeier am 1. Mai am Dingolfinger Marienplatz hin. Das Konzept steht. Als Rednerin konnte in diesem Jahr die IG Metall-Sekretärin für Politik Lisa Renner aus Landshut gewonnen werden, die vorher beim DGB-Rechtsschutz gearbeitet hat.

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